D7WS HOMEPAGE WORKSHOP NEUE XTRAS GALERIE WORKSHOP Automatic Translation LESERSERVICE BUCH NEWS

Shockwave 7.02 - Macromedia zwischen Mission und Rückzug...

 

 

Home

News 8/99

Manch einer wird sich über eine – mehrfach und selbst von Macromedia Deutschland angekündigte – Mail des Senior Vice Presidents von Macromedia, David Mendels, gewundert haben, die am Freitag, dem 13. August, alle einschlägigen Newsgroups und Mailingslisten erreichte.

Die Anwender von Shockwave 7.02, die wahrscheinlich noch nicht so zahlreich sind, haben zumindest mit den Themen des offenen Briefes etwas anfangen können: The Remote (vgl. nebenstehendes Info-Link) wurde von den Entwicklern als zu aufdringlich und zu ressourcenfressend kritisiert; Macromedia will nun im September mit einem kleinen Update von Shockwave auf die Entwickler-Kritik reagieren. In einer "Phase 2" will Macromedia grundlegendere Probleme beheben: so soll der Download-Prozeß des Plug-Ins verbessert werden, sodaß auch Netscape- und Mac-Anwender wieder eine Chance haben, zur ursprünglichen Site zurückzukehren, außerdem soll es Uninstaller für Shockwave geben. Auch das Problem der Download-Größe will Macromedia in Phase 2 angehen.

OK, aber was steckt dahinter? Warum sollte sich David Mendels soweit aus dem Fenster lehnen und allen Shockwave-Entwicklern mehrfach die Kooperationsbereitschaft von Macromedia beteuern? Woher kommt die plötzliche Wertschätzung der kritischen Stimmen aus der Developer Community?




 

 

 

Shockwave 7.02 war für Macromedia der lang geplante und scheinbar geschickt eingefädelte Einstieg in den Consumer-Markt. Und zwar gleich auf zwei Fronten: zum einen wollte und will man ein Consumer-Produkt verkaufen (Shockmachine), zum andern wollte und will man mit einer Consumer-Site (Shockwave.com) Geld verdienen. Die Entwickler – zunächst die in den verschiedenen Beta-Programmen – wurden mit neuen Business-Modellen konfrontiert, die vom Shockmachine-Verkauf über "traffic services" (mehr Traffic auf die eigene Site) bis zum Geldverdienen mit eigenen Spielen (und möglicherweise Micropayment etc. in der Zukunft) auf Shockwave.com reichten. Nur auf diesem Hintergrund ist das Thema "Branding Issues" in der Mendels-Mail zu verstehen – vielleicht am besten mit "Probleme bei der Marken-Bildung" zu übersetzen:

6. Branding Issues (i.e. "Shockwave is not just for entertainment")
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
We agree that Shockwave is not just for entertainment. We will continue to
market Shockwave for business and education uses, as well as entertainment
purposes.

Macromedia scheint – bereits in den Beta-Programmen, aber offenbar noch effektiver nach dem Shockwave 7.02-Release in den zahlreichen Mailinglisten – deshalb so massiv unter Beschuß gekommen zu sein, weil die Firma das neue, eigene Interesse am Consumer-Markt zu sehr in das "allgemeine" Produkt Shockwave hat einfließen lassen. "Shockwave ist ein Industrie-Standard, und nicht die Werbefläche für Macromedias Consumer-Produkte" – vielleicht ist das die Hauptaussage der Kritik, die von vielen Seiten in den letzten Wochen am Produkt und damit an Macromedia geäußert wurde.

Festgemacht hatte sich das vor allem an der kleinen, "Remote" genannten Fernsteuerung, die nicht auf Ihre Voreinstellungen hört, sich nicht beenden läßt, bei jedem Systemstart wieder da ist und penetrant neben allen Shockwave-Inhalten auftaucht – und auch noch Downloadzeit kostet und RAM frißt und am Mac eine Windows-Optik hat. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt etwas viel – auch weil die Entwickler die neuen Möglichkeiten der Remote noch gar nicht nutzen wollen oder können, und damit Entwickler, Kunden und Website-Besucher vor allem reichlich "Macromedia-Branding" erleiden müssen.

Die Chancen des Macromedia-Vorstoßes zu sehen, wird noch etwas Zeit kosten – und insofern ist die responsiveness von Macromedia in der Remote-Frage ein kluger Rückzug. Die Mission – den Entwicklern einzubläuen, daß im Web die Zukunft liegt, und daß dort andere, neue Business-Modelle gelten – wird das Mutterschiff über kurz oder lang doch erreichen, dann etwas weniger plump.   (joachim gola)




 


Directorworkshop.de ist © Joachim Gola & Gerd Gillmaier 1998-2002. Alle Rechte vorbehalten.