|
Shockwave 7.02 war für
Macromedia der lang geplante und scheinbar geschickt eingefädelte
Einstieg in den Consumer-Markt. Und zwar gleich auf zwei
Fronten: zum einen wollte und will man ein Consumer-Produkt verkaufen
(Shockmachine), zum andern wollte und will man mit einer Consumer-Site
(Shockwave.com) Geld verdienen. Die Entwickler zunächst
die in den verschiedenen Beta-Programmen wurden mit neuen
Business-Modellen konfrontiert, die vom Shockmachine-Verkauf über
"traffic services" (mehr Traffic auf die eigene Site)
bis zum Geldverdienen mit eigenen Spielen (und möglicherweise
Micropayment etc. in der Zukunft) auf Shockwave.com reichten. Nur
auf diesem Hintergrund ist das Thema "Branding Issues"
in der Mendels-Mail zu verstehen vielleicht am besten mit
"Probleme bei der Marken-Bildung" zu übersetzen:
6. Branding Issues (i.e. "Shockwave is not just for entertainment")
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
We agree that Shockwave is not just for entertainment. We will
continue to
market Shockwave for business and education uses, as well as entertainment
purposes.
Macromedia scheint
bereits in den Beta-Programmen, aber offenbar noch effektiver nach
dem Shockwave 7.02-Release in den zahlreichen Mailinglisten
deshalb so massiv unter Beschuß gekommen zu sein, weil
die Firma das neue, eigene Interesse am Consumer-Markt zu sehr in
das "allgemeine" Produkt Shockwave hat einfließen
lassen. "Shockwave ist ein Industrie-Standard, und nicht
die Werbefläche für Macromedias Consumer-Produkte"
vielleicht ist das die Hauptaussage der Kritik, die von vielen
Seiten in den letzten Wochen am Produkt und damit an Macromedia
geäußert wurde.
Festgemacht
hatte sich das vor allem an der kleinen, "Remote"
genannten Fernsteuerung, die nicht auf Ihre Voreinstellungen hört,
sich nicht beenden läßt, bei jedem Systemstart wieder
da ist und penetrant neben allen Shockwave-Inhalten auftaucht
und auch noch Downloadzeit kostet und RAM frißt und am Mac
eine Windows-Optik hat. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt etwas viel
auch weil die Entwickler die neuen Möglichkeiten der
Remote noch gar nicht nutzen wollen oder können, und damit
Entwickler, Kunden und Website-Besucher vor allem reichlich "Macromedia-Branding"
erleiden müssen.
Die Chancen des Macromedia-Vorstoßes
zu sehen, wird noch etwas Zeit kosten und insofern ist die
responsiveness von Macromedia in der Remote-Frage ein kluger
Rückzug. Die Mission den Entwicklern einzubläuen,
daß im Web die Zukunft liegt, und daß dort andere, neue
Business-Modelle gelten wird das Mutterschiff über kurz
oder lang doch erreichen, dann etwas weniger plump. (joachim
gola)
|